Warum die Birke kleine Blättchen und eine weiße Rinde hat (031)

Ein Mädchen lief mit ihrer Großmutter durch das offene Land. Großmutter erzählte ihr oft Kurzgeschichten über die Wunder der Natur. Zusammen schauten sie sich eine Birke an. Erstaunt fragte das Mädchen: “Warum hat der Baum so eine schöne weiße Rinde und warum hat er solche kleine Blättchen?” Und Großmutter antwortete: “Liebes Kind, daß sind sogar zwei Geschichten, hör mir zu.” Und das Kind war ganz Ohr.

Pflanzen und Tiere können nicht reden. Wir glauben daß sie immer mit alles einverstanden sind und immer glücklich sind. Aber dies ist nicht der Fall. Längst nicht alle Pflanzen und Tiere sind zufrieden über ihr Aussehen. Die Birke murrte mal über ihre kleine Blättchen. Lieber hätte sie solche große Blätter wie die Roßkastanie oder der Ahorn. Eine Fee die dieses Gemurr hörte, setzte sich auf einen der Äste und fragte was los war. “Ich habe solche kleine gelbe Blättchen. Ich möchte gern große, goldene Blätter die glänzen in der Sonne, Blätter wo jeder voller Bewunderung hinschaut”
“Gut” sagte die Fee, “wenn du daß möchtest, dann bekommst du sie” Die Birke mit den goldenen Blättern war sehr glücklich. Ein paar Monate später flog die Fee an einer kahlen Birke entlang. “Was ist los, wo sind deine goldene Blätter?” fragte sie.Die Menschen waren so begeistert von meinen goldenen Blättern, daß sie mich kahl gepflückt haben”, schmollte die Birke.
“Daß ist schlimm” sagte die Fee, “ was möchtest du jetzt?”
Und der Baum antwortete: “Ich möchte gern große, glaserne Blätter die klingeln im Wind und funkeln im Sonnenlicht.”
“Gut”, sagte die Fee, “wenn du daß möchtest, dann bekommst du sie.”
Die Birke mit den glasernen Blättern war sehr glücklich. Ein paar Monate später flog die Fee an einer kahlen Birke entlang. “Was ist los, wo sind deine glaserne Blätter?” fragte sie. “Während einer Hagelschauer sind all meine glaserne Blätter zerschmettert” schmollte die Birke. “Das ist eklig”, sagte die Fee, “was möchtest du jetzt?” Und der Baum antwortete: “Ich möchte gern meine Blättchen zurück. Keiner stiehlt sie, einen Hagelschauer und einen Sturm widerstehen sie. Ja, darf ich meine eigene Blättchen zurück?”
“Gut”, sagte die Fee, wenn du daß möchtest, bekommst du sie.”
Und der Baum war sehr glücklich. Stolz auf ihre kleine Blättchen die im Wind lispelten. Stolz darauf daß das Sonnenlicht so schön spielte mit den zahrten grünen Blättchen im Frühjahr und den sanften goldgelben Blättchen im Herbst.

“Aber Großmutter, warum hat die Birke so einen schönen, weißen Stamm?”
“Ja, Kind, daß ist eine andere Geschichte, hör mir zu,” und Großmutter erzählte:

Vor langer Zeit, als die Birke ihre kleine Blättchen wieder zurück bekommen hatte, stand sie im Garten von Job. Job war nicht nur ein reicher Mann, sondern auch ein ehrlicher Mensch. Er lebte völlig nach den Gesetzen seines jüdischen Glaubens. Gott war deshalb sehr stolz auf ihn. Eines Tages sagte der Teufel zu Gott “Ach, es ist für Job nicht leicht um gerecht und ehrlich zu sein. Er hat alles, was das Herz begehrt.

Warte nur, wenn er arm und häßlich ist, dann ist er bestimmt kein gerechter und ehrlicher Mensch mehr.”
Gott gab dem Teufel die Erlaubnis um Job zu erproben. Er wollte mal sehen ob er bei Krankheit und Armut auch aufrecht sein würde. Der Teufel bewirkte daß er seinen Reichtum verlor. Pusteln und Geschwüren sorgten dafür daß er immer Schmerzen hatte und abscheulich ausschaute.
Lang war er arm, einsam und krank, aber stets blieb er ein ehrlicher und guter Mensch. Eines Tages sagte Gott zu Job daß es reichte und daß er wieder normal leben könnte. Job war so froh daß er zu seiner Frau rannte um ihr die gute Nachricht zu erzählen. Gerade in diesem Moment kam sie mit einer Kanne gekochter Milch nach draußen und sie prallten aufeinander. Die Kanne flog aus ihren Händen und klirrte gegen die Birke auf dem Innenhof. Von diesem Tag an hat die Birke eine milchweiße Rinde. Und weil die Milch gerade gekocht war, kann man sehen daß der Baum sich noch immer schält.

Birken haben die kennzeichnende horizontal abblätternde Rinde. Diese Rinde verzehrt kaum, während das Holz der toten Birke sehr rasch vergeht. Beobachte mal das tote Holz im Wald. Bei einer Birke ist oft die Außenseite noch intakt, während die Innenseite vermorscht und verschwunden ist. Nur auf kranken oder geschwächten Birken wächst der Birkenporling und dieser ist das Anzeichen des sich nähernden Endes. Tote vertrocknete Birkenporlingen sind sehr hart. Der rote Pilz mit den weißen Flocken, der Fliegenpilz, wächst oft in der Nähe von Birken. Die “Hexenbesens” in Birken werden verursacht von einem Schimmel, aber sind kaum schädlich für den Baum.

 

© Els Baars, Natuurverhalen.nl

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